Draußen Gitarre spielen – das solltest du im Frühling beachten
Einleitung
In der jetzigen Jahreszeit, wenn die Tage wieder länger und wärmer werden, zieht es viele Menschen wieder aus ihren Wohnräumen hinaus ins Freie. Da kommen auch viele von ihnen auf die Idee ihr portables Instrument mitzunehmen und open air nutzen zu wollen. Draußen Gitarre spielen kann ein Gefühl von Freiheit nach dem langen Winter geben, es sind aber durchaus dabei ein paar Dinge zu beachten. Eine gute Nachricht direkt zuerst: Gerade die Gitarre eignet sich sehr gut, um im Freien gespielt zu werden, da sie im Vergleich zu anderen Instrumenten doch recht leise erklingt. Man läuft also nicht so schnell Gefahr andere akustisch zu stören.

Die drei großen Feinde
Wenn man seine Gitarre draußen spielen möchte, sollte man drei Gegebenheiten stets berücksichtigen: Die Temperaturen, die Luftfeuchtigkeit und den Wechsel dieser Bedingungen.
Die Gitarre hohen Temperaturen auszusetzen sollte man dringlichst vermeiden. Zu hohe Temperatur kann im schlimmsten Fall dazu führen, dass Leimverbindungen aufweichen. Folglich sollte die Gitarre nicht übermäßig direkter Sonneneinstrahlung in Taschen oder Koffern ausgesetzt werden. Kluger Weise hält man nach einem geeigneten Schattenplatz als Lagerstätte für das Instrument Ausschau.
Auch sollte der Spiel- oder Aufbewahrungsort nicht sehr feucht sein, da Holz Feuchtigkeit über seine Poren aufnehmen kann. Somit sollte der Schattenplatz, den man als Lagerstätte wählt, auch trocken sein.
Der Wechsel der klimatischen Bedingungen sollte auch nicht zu abrupt erfolgen. Beispielsweise ist es keine gute Idee, die im kühlen Keller gelagerte Gitarre direkt mit in die Sonne auf der Terrasse zu nehmen, wo sie dann 25° C und mehr ausgesetzt ist. In solch einer Situation sollte man dem Instrument ein paar Minuten geben, um sich an die neuen Bedingungen anpassen zu können. Dazu stellt man sie am Besten im geöffneten Koffer an einen schattigen Platz und lässt ihr erst einmal Zeit sich an die neuen Temperaturen zu gewöhnen.

Klang & Umgebung
Wer draußen Gitarre spielen möchte, der steht nicht nur vor klimatischen Herausforderungen, sondern sollte sich auch bewusst machen, dass die Akustik im Freien eine ganz andere Wirkung hat. Draußen fehlt der Hall, den wir in unseren Wohnräumen gewohnt sind. Der Rückschall durch Wände fällt weg, somit nehmen wir unser Instrument direkt leiser wahr. Der Klang verschwindet förmlich in der Umgebung. Daher wäre es ratsam sich einen Ort zu suchen, der durch natürliche Barrieren verhindert, dass Klang zu sehr ins Freie entweichen kann. Eine Hecke im Rücken kann schon bewirken, dass die Gitarre eine ganz andere Strahlkraft entfalten kann.
Zusätzlich könnte Konkurrenz durch andere Schallquellen entstehen. Plötzlich befindet man sich in einer Situation in der man gegen diese Klänge anspielen muss. Dies sind alles Gründe dafür, dass man im Freien schnell dazu neigen kann im oberen Lautstärkebereich des Instrumentes zu spielen. Die Anschläge werden dementsprechend schnell sehr hart, weil man gegen konkurrierende Schallquellen und den entweichenden Schall anspielen möchte, um sich selbst noch wahrzunehmen.
Hier ist die Devise: Locker bleiben! Den abfallenden Schall sollte man im Freien immer mit einberechnen.
Sperrholz vs. Massivholz
Wer seine Gitarre im Freien spielt, kann auch schon vorher überlegen, welches Instrument er den Gegebenheiten aussetzen möchte. Sperrholz ist in der Regel unempfindlicher gegen Witterungseinflüsse. Eine Gitarre deren Zargen und Boden aus Sperrholz gefertigt ist, ist nicht nur das weniger wertvolle Instrument, zudem ist sie gegenüber dem Wechsel der klimatischen Bedingungen auch noch etwas robuster aufgestellt.
Ein vollmassives Instrument hat zwar in der Regel die bessere klangliche Entfaltung, aber der Einsatz im Freien möchte auch pingeliger vorbereitet werden. So wäre dann eine Zeit zur Akklimatisierung im geöffneten Koffer an einem trockenen Schattenplatz schon sehr sinnvoll.

Praktische Tipps für den Balkon/ Park
Das Wichtigste für ein stressfreies Spiel der Gitarre draußen ist ein vorher eingerichteter Ruheplatz (trockener Schattenplatz).
Dann sollte noch bedacht werden, das durch den Wechsel der klimatischen Bedingungen das Holz des Instrumentes auch arbeiten wird. Die Gitarre wird also häufiger gestimmt werden wollen. Im Idealfall hat man also Stimmgabel, Stimmgerät oder Stimm-App im Handy griffbereit.
Schließlich kann man noch versuchen die klanglichen Gegebenheiten zu verbessern, indem man zum Beispiel einen Spielort mit einer geschützten Seite sucht. Dann kann dank dieser natürlichen Schall-Barriere der Klang nicht in alle Richtungen entweichen.
Fazit
Wenn du draußen Gitarre spielen möchtest, dann nimm also lieber eine Gitarre mit Sperrholz-Korpus, denn sie wird den Wechsel der klimatischen Bedingungen besser verkraften können. Damit dein Instrument immer sicher ist, richte dir einen trockenen, schattigen Ruheplatz für es her. Denke daran, dass du häufiger stimmen werden musst.
Man kann es auf folgende Faustregel herunterbrechen: Lieber Schatten statt Sonne, lieber trocken als feucht, lieber langsam als abrupt.
Ach ja, und noch etwas: Die schönsten Gitarrenmomente draußen hat nicht, wer das beste Wetter erwischt – sondern wer sein Instrument auch den Rest des Jahres nicht vergessen hat. Dann fühlen sich die ersten Akkorde im Park nicht an wie ein Neuanfang, sondern wie ein Wiedersehen mit einem alten Freund.
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